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Donnerstag, 2. Juli 2015

Palermo, ti amo - Teil III

Palermo lebt. Und das in vollen Zügen. Diesem pulsierenden Drive der Stadt kann man sich einfach nicht entziehen und sobald man den ersten Fuß vor die Tür gesetzt hat, ist man mittendrin. Für mich waren es besonders drei Erlebnisse, in denen ich diese ganz besondere, teils in sich absolut widersprüchliche Atmosphäre Palermos entdecken konnte. Diese Top 3 möchte ich euch heute ans Herz legen:

1. Das Opernhaus Palermo




Und dann saß ich da, in meiner eigenen Loge zwischen rotem Samt und goldenen Balken, begutachtete die anderen Gäste in ihren kleinen Logen wie in einem Playmobilpuppenhaus und lauschte der kräftigen Stimme des Grafen Richard, wie er über seine heimliche Liebe Amelia balladiert. Ihr merkt: Irgendwie ziemlich spontan bin ich eines Abends in der Oper gelandet. Un Ballo in Maschera. Verdi. Statt die geführte Opernhausbesichtigung (rein in den Saal, Foto knipsen, raus aus dem Saal, 15 min für 8 Euro) zu bezahlen, sollte man sich nämlich einfach eine Veranstaltung in den atemberaubenden Räumlichkeiten der Oper Palermos gönnen. Denn die Tickets für eine Oper starten schon bei 18 Euro und außerhalb der Saison werden hier Konzerte gespielt (ab10 Euro). Mit mir saß da übrigens die liebe H. - die hatte ich am Morgen beim Ticketkauf kennengelernt und überredet, nicht die völlig überteuerte geführte Opernhaustour zu machen sondern mit mir in die Oper zu gehen. Gesagt, getan, hat sie dann auch gemacht. Und aus diesem verzauberten Abend wurde eine wunderbare kleine Reisegemeinschaft für ein paar Tage, die ich absolut nicht missen möchte!

2. Ausgehen





Am Wochenende wird es nachts voll in Palermos Straßen. Startet am Besten mit dem unfassbar guten Aperitivo im Vespa Café. Alternativ für ein bisschen Romance am Abend: Die Rooftop-Bar auf dem Dach des Hotel Ambasciatori. Von da oben könnte man Palermo einfach nur Knutschen. Und der Sekt ist gar nicht mal so teuer. Ein bisschen aufgewärmt geht es dann zu unserem Lieblingsort: Die Vucciria! Hier werden die Plastikstühle auf die Piazza geräumt, es wird getrunken und gegessen und getanzt, während sich mitten durch die Menge noch der Müllwagen schlängelt und die letzten Tonnen leert. Wenn Euch dann die Hummeln im Hintern zum Tango - oder Techno - auffordern geht es zwei Ecken weiter zu einer Piazza zwischen Via Argenteria und Via dei Cassaria. Allein die Piazza selbst ist schon bei Tag beeindruckend. Hier stehen ein paar der wenigen Gebäude, die im zweiten Weltkrieg ein wenig was abbekommen haben, die so subtil aber liebevoll mit Graffiti verschönert wurden, das einem einfach ein wenig die Flatter gehen muss. 






Aber besonders nachts wird es dann eigentlich erst spannend mit dem Club, der einfach mal auf die Straße verfrachtet wird und der Menschenmenge, die zum Bass in ihrem ganz eigenen Rhythmus tanzt. 



Und bevor ihr ins Bett fallt gibt es dann noch eine Must-Do-Station: Die Via Chiavettieri - Late night munchies, Mimosas und gute Musik erwarten euch in dieser Straße, proppenvoll mit jungem Volk von seltsam bis superheiß. Einmal alles mitnehmen!

3. Fußball



Jap. Ich war beim Fußball. Hätte ich auch nicht gedacht, aber irgendwie bin ich spontan dort gelandet. Die Jungs aus dem B&B hatten den Plan, meine B&B-Gastgeberin ist der wohl größte südkoreanische Fan, den der US Palermo je gesehen hat. Und so hat man mich eben bearbeitet. Also ging es an einem Sonntag zum Spiel Palermo - Florenz. Das Fußballspiel an sich ist ja nicht so wirklich unter den Top 5 - oder 25 - meiner liebsten Interessen. Aber ins Stadion gehe ich dann schon gern. Fremde Fußballluft schnuppern, euphorische, mit einem fröhlichen Hauch Aggression aufgeladene Stimmung einsaugen - und Bierchen mit fettigen Snack schnabbern - damit kriegt man mich. Und all das wird Dir in Palermo im Stadion mit großen Löffeln gefüttert.  Unerwartet eines meiner Highlights!

Anstehen für Tickets. 7 Euro Eintritt gehen mehr als in Ordnung - und mit meinem Ticketpreis von 2 Euro für so exotische Wesen wie mich (eine FRAU, die zum Fußball geht) war ich der beneidete Star des Nachmittags. Es ist halt Südtalien...



So, das war's auch schon wieder für heute! Im letzten Palermo-Teil erzähle ich Euch noch ein wenig von der Umgebung Palermos und dann geht es auch schon wieder weiter im Text.

A presto!

Rieke

Samstag, 27. Juni 2015

Palermo, ti amo - Teil II

Ciao Ihr Lieben,

heute geht es um MANGIARE! Mein Lieblingsthema! Nach Italien fährt man ja irgendwie auch zu großen Teilen wegen der kulinarischen Highlights. Und Sizilien hat es mir, was die Küche betrifft, wirklich angetan. Palermo schürft tief, tief, tief aus der traditionellen italienischen Küche, aber wird eben mit vielen Eigenheiten kombiniert - vor allem frischem Fisch, wildes Gemüse, orientalischen Details, sowieso ganz viel Liebe…und hier und da ein gute Portion Frittierfett. Dazu die alleraromatischsten Zitronen, Orangen, Oliven,…und wenn ein Land sich den Pistazien widmet, dann hat es mich ohnehin schon längst in der Tasche. Bevor ich jetzt abdrifte, euch schlichtweg eine Papyrusrolle lang Zutaten und Gerichte aufliste und dabei an laue palermitanische Frühsommernächte zurückdenke, reiße ich mich nun schnell am Riemen und biete euch einen wirklichen kleinen Einblick in meine Geheimniskiste rund ums Essen in Palermo. Allein gefunden habe ich all diese Schätze natürlich nicht. Meine wunderbaren Gastgeber hatten immer den richtigen Riecher und uns Gästen die besten Ecken und Winkel der Stadt verraten. Ein paar davon teile ich heute mit euch:




Hach, der Vecchio Club. DAS Lokal für ein richtig typisch sizilianisches Mittag- oder Abendessen. Hier habe ich meinen ersten Abend verbracht mit neuen Freunden aus dem B&B und deshalb bleibt es wohl auch mein emotionaler Foodliebling Palermos. Und das Essen - ich sage nur: Wir waren wahrscheinlich jeden zweiten Abend in unterschiedlichster Besetzung dort und haben uns quer durch die Karte gemampft. Egal was ihr esst, falsch machen kann man hier wirklich nichts. Meine Tops dennoch hier für euch, falls ihr jemals in diesem Schmuckstück der sizilianischen Hausmannskost landen solltet: Spaghetti Vongole mit einer Tonne Knobi, Caponata Spada (Schwertfisch mit der besten Caponata EVER) und die Involtini alla siciliana. Rosa Nero sind übrigens die Farben des Fußballvereins von Palermo und der Vecchio Club das Haus- und Hofrestaurant der ansässigen Fans - und entsprechend sieht die Einrichtung aus! Ein I-Tüpfelchen aufs Ganze setzen die Kellner, die bei dem ständigen Andrang im Vecchio Club zu Anfang immer ein bisschen grummelig wirken, aber spätestens nach den Antipasti auftauen und sizilianisch-schroffe Liebenswürdigkeiten verteilen. Immer, wirklich immer reservieren!


Irgendwie muss man bei so viel Herumgerenne in der Stadt ja auch über den Tag kommen und für den Happen für zwischendurch seid ihr hier am Besten aufgehoben! Die Bar Torino hat die besten Arancini der Stadt (und die kommen hier auch in size "bomba") aber auch sonst die köstlichsten Happen für jede Tageszeit. Zum Beispiel: Mega Frühstückscroissants und Zitronentörtchen, diverses Mittagsgedöns und immer lecker und günstig. Perfekt für zwischendurch!




Unglaublich gute Adresse für Fisch, direkt um die Ecke vom Hafen in der Via Torremuzza. Hier waren wir an meinem letzten Abend in Palermo und haben ein klein wenig Abschied gefeiert. Ein kräftiger Sizilianer steht hier den ganzen Abend am Grill und es duftet fantastisch nach dem, was dann auf eurer Fischplatte landet: Schwertfisch, diverse Meeresfrüchte, verschiedene Tintenfische und ein bis heute nicht von mir identifizierter, aber köstlich schmeckender Fisch, den sie wohl irgendwo bei Palermo aus dem Wasser gezogen haben. 



Wenn der Markt abgebaut ist und es dunkel wird in der Stadt, dann dreht Vucciria noch einmal auf und lockt zum Wochenende hin mit Fisch- und Fleischstreetfood - direkt vor euren Augen zubereitet. Und, nicht zu vergessen: Pane e Panelle - Brötchen, gefüllt mit flachen Kartoffelkroketten quasi. Frischen Zitronensaft drüber, fertig. Man denkt es nicht, schmeckt aber wie der Himmel. God Save the Frittierpfanne! 





Wer nachts dann noch länger unterwegs ist (Wo ihr das am besten könnt, verrate ich euch im nächsten Teil) und den wie üblich die Munchies überkommen, für den ist dieser Tipp vielleicht noch etwas: Mega-Monster-Familienpizza für nur 7 Euro und normale monsterleckere Pizza für noch weniger gibt es abends in der Via Chiavettieri bei Voglia di Pizza. 

Und, falls ihr es noch nicht gemerkt haben solltet: Wer kein Freund von rustikalem Plastikstuhl-Dinner ist, sollte in Palermo lieber schnell einer werden. Denn klar, hier gibt es auch schicken Schischi hier und dort, nobles Ambiente und so weiter. Aber richtig eintauchen und ein bisschen echte Küche und echtes Leben mitbekommen heißt hier auch: Die Improvisation, das Chaos und die Liebe zum Wesentlichen wieder neu für sich entdecken!

Und nun noch zwei Orte für die Zuckerjunkies: 





Das beste Eis der Stadt! Wirklich. Das Beste. Eis. Der Stadt. Und am allerbesten genießt ihr es in der fantastischen sizilianischen Variante: Im Briochebrötchen. Für den Palermitaner ersetzt das durchaus mal ein Mittagessen. Unbedingt probieren müsst ihr die Brioscia-Creme-Varianten. Pistazieneis mit Nutellakonsistenz: Da steigt mir vor Gaumenfreude fast das Pipi in die Augen!



Niemand, der sich für ein wenig Süßes begeistern kann, kommt an der Torta Setteveli vorbei. Eine ganz ausgefuchste kleine geschichtete Schokotorte. Am besten lasst ihr euch sie hier bei Cappello schmecken. Und keine Sorge, es gibt sie in verschiedenen Größen, aber ein Häppchen muss schon drin sein. Und da ich ja ein kleiner Pistazienjunkie bin: Direkt noch ein zweites Settevelihäppchen in der grünen Variante dazubestellen! Außerdem: Bloß keine Reue! Aus irgendeinem magischen Grund, setzt das alles üüüüberhaupt nicht an. Also fast nicht. Zumindest nicht genug, um sich zu zügeln. Darum - Vielleicht noch ein drittes Häppchen?

Wenn euch jetzt das Wasser im Munde zusammenlaufen sollte, sage ich: Recht so. Das war mein Plan! Wenn ihr euch außerdem fragt, wie meine Tage in Palermo so aussahen, dann brauche ich euch gar nicht so viele Anekdoten zu erzählen. Schaut euch einfach diese Liste an Orten an und stellt euch vor, dass ich sie alle der Reihe nach abgeklappert habe. Und wenn ich damit durch war - habe ich von vorn wieder begonnen.

In diesem Sinne: Buon Appetitio, Bunoanotte und a presto!


Rieke



Donnerstag, 28. Mai 2015

Postkartenfeeling in Taormina

Ciao Ihr Lieben!

Vorab: Ich bin tierisch im Verzug, euch von meinen Erlebnissen in Sizilien zu erzählen. Heißen tut das vor allem eines – mir geht es ziemlich, ziemlich gut hier! Ich bin ein wenig überwältigt, wie wohl ich mich hier in Sizilien fühle. Aber dazu werde ich euch in den kommenden Tagen noch mehr berichten. Erstmal starte ich heute mit einem ausführlichen Bericht zu meiner ersten richtigen Station in Sizilien: Taormina.

Also, ich mache jetzt etwas, was man nie tun sollte. Ich nehme den Spannungsbogen aus der Story raus und komme direkt zum Knackpunkt: TAORMINA IST EIN ABSOLUTES REISEHIGHLIGHT!

Die Gegend um Taormina ist so wunderschön, dass einem schon bei der Anfahrt mit dem Bus die Kinnlade herunterklappt, wenn man zum ersten Mal die Küste, das Städtchen und den Ätna im Hintergrund im Panoramablick sieht. Beeindruckend das Ganze. Und es lässt einen verzeihen, dass man nicht die einzige Person ist, die auf die Idee gekommen ist, sich Taormina anzusehen. Der Ort ist schon sehr auf Touristen ausgelegt. Echtes italienisches Leben findet man hier jetzt eher nicht so. Ein klein bisschen wie ein sizilianisches Disneyland. Aber manchmal gibt es eben auch gute Gründe, wenn ein Ort Menschen von überall her wie magisch anzieht.



Mein Hostel war für die paar Tage ganz wunderbar. Furchtbar nette Leute, sehr sauber und irgendwie total gemütlich. Und ein wenig habe ich mich bestätigt gefühlt in meiner Entscheidung, keinen workaway-Stop auf meiner Reise einzulegen und einfach herum zu reisen. Eigentlich wollte ich hier und dort für längere Zeit Halt machen und ein wenig aushelfen. Und eben auch ein wenig Geld sparen. Ich habe im Hostel dann zwei ganz wunderbare Mädels getroffen, eine aus Deutschland und eine aus den USA, die beide gerade zum Workawayen in Taormina ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Ein bisschen habe ich sie im ersten Moment beneidet um den festen Ort, die Bezugspersonen, den Kreis, den sie sich dort aufgebaut haben. Aber im Endeffekt hatten die beiden kaum Zeit gehabt, sich irgendetwas von Sizilien anzusehen und waren mehr oder weniger komplett hier in Taormina geblieben. Das ist bei einem Ort wie Taormina kein so furchtbar schlechtes Los. Aber ich habe gerade jetzt das große Glück, wirklich reisen zu können. Und ich möchte keinen neuen Menschen, keinen neuen Ort und keine neue, abgedrehte Situation missen. Ankommen kann ich irgendwann anders. Im Moment geht es darum, immer weiterzuziehen, zu schauen wo es mir gefällt und wo nicht, spontan zu sein - und frei. Das ist der größte Luxus, den ich mir gerade vorstellen kann. Und für euch macht es die Sache auch definitiv spannender! ;)

Hier sind meine Tipps für Taormina:


Das antike Teatro Greco besuchen. Am besten direkt zu Beginn, denn der Ausblick auf den Ätna ist einfach eine perfekte Einstimmung auf die Gegend.


Einen kleinen Abstieg vom Berg später hopst ihr in die Bucht der Isola Bella. Oder besser nicht hopsen – eher vorsichtig herantasten. Die Riesenkiesel am Strand sind bestenfalls ein wenig nervig und schlimmstenfalls der Grund für euren finalen Genickbruch. Aber schön ist es. SO SCHÖN.




Die unter Naturschutz gestellte Isola Bella lässt sich übrigens auch besichtigen. Macht das! Eine kleine Oase!


Eine Oase gibt es auch in Taormina selbst: Den wohl hübschesten Park ganz Siziliens, den Giardino Pubblico. In dem kann man kostenlos den ganzen Tag verbringen, die Gartenhäuser bestaunen, sich auf eine Wiese legen oder den Ausblick genießen. 



Einmal kräftig durchatmen, und dann rauf den Berg! Den wohl schönsten Blick über die Gegend gibt es in Castelmola. Es fährt auch ein Bus hoch, aber das ist für Sitzpinkler. Plant ein, etwa eine Stunde für den Aufstieg zu brauchen und dabei den fettesten Ausblick aller Zeiten zu genießn.




Also, hopp auf die Füße, denn oben angekommen gibt es dann auch eine Belohnung: In der Bar Turrisi gibt es gratis den berühmten Vino alla Mandorla zu probieren. Und eine etwas gewöhnungsbedürftige Einrichtung zu bestaunen. Angelehnt an den griechischen Gott Priapous steht hier alles unter dem Motto Phallus. Auch wenn die Bar damit die sizialianische Kulturgeschichte betonen will, schreit es in diesem Laden schlussendlich einfach sehr, sehr laut „PENIS!“


Nach dem Abstieg knurrt der Magen und eines kann man in Italien ganz sicher nicht: Hungern! Ich habe in Sizilien inzwischen gefühlt an die 200 Arancini gegessen. Einige der besten dieser frittierten Reisbälle mit sündhaften, herzhaften Füllungen gab es in Taormina. Im Corso Umberto gibt es viele kleine Läden mit fantastischen Arancini. Zu den beliebtesten gehört wohl Arancini in Corso. Einfach ein Bällchen aussuchen, an eine Piazza hocken und die Aussicht genießen.

Einen ganzen Haufen weitere sizilianische Spezialitäten, wie zum Beispiel der Sorbet/Eis-Mix Granita gibt es außerdem in der Bam Bar. Abends ausgehen auf einen Cocktail und gute Musik lässt es sich ganz famos und gemütlich im Café Timoleone (von meinem Abend dort mit den Mädels aus dem Hostel existieren seltsamerweise keine Bilder, aber so ist es nun mal: Die schönsten Abende bleiben undokumentiert.)

Wer nach Sizilien kommt, muss auch den Ätna sehen - und das am Besten nicht nur aus der Ferne. Von Taormina aus habe ich mich auf eine kleine Tagestour zum Vulkan aufgemacht - Fotos und Stories dazu gibt es dann im nächsten Post!

A presto!

Rieke


Donnerstag, 7. Mai 2015

Amalfiküste: Über kleine Alltagsabenteuer

Buonasera, Ihr Lieben! 

(WAHNSINN - jetzt bin ich mal ganz fix und schiebe direkt einen nächsten, kleinen Post hinterher) 

Das Schönste an Airbnb - wenn es richtig läuft - ist es meiner Meinung nach, die Nase mit ganz viel Neugier in den Alltag anderer Menschen stecken zu dürfen. Und dabei Dinge zu erleben, die einem als normalem Touristen sonst verschlossen bleiben würden. Ich hatte hier an der Amalfiküste vor allem zwei Abende, die mir genau das geboten haben. Wie immer gibt es natürlich von besonderen Ereignissen wie diesen keine oder nur furchtbar schlechte Fotos...weil man die Kamera liegen lassen hat, weil die Kamera auf einmal doof ist oder einfach weil man so im Moment gefangen ist, dass man gar nicht daran denkt, ein Foto zu machen... Ihr mögt es mir bitte nachsehen!



Don Pasta, eigentlich Daniele, ist ein Freund meiner Gastgeber, bekannter italienischer Koch, Kochbuchautor – und DJ (Für ein schöneres Foto bitte einfach googeln :D). Einer dieser Menschen, die so begeistert fünfzehn verschiedene Dinge in einer Hand jonglieren, dass man gar nicht anders kann, als fasziniert zuzuschauen und sich zu wünschen, man könnte das alles genauso charmant vorbringen. Für sein neues Buch hat er sich eines der ältesten italienischen Kochbücher vorgenommen: Das Kochbuch von Pellegrino Artusi. Aus dieser Bibel der traditionellen italienischen Küche hat er einen Remix gemacht – und ihn vor ein paar Tagen allen Kunst- und Kochschmauswilligen in Salerno vorgestellt. Und weil er nicht einfach Autor ist, gab es nicht etwa eine Lesung, sondern eine Videokunst-Livemusik-Livekoch-Performance. Während auf der großen Leinwand italienische Großmütter beim Kochen in die Kamera grinsten und mit synthesizerverzerrter Stimme Rezepte Preis gaben, schmetterte Don Pasta ein Manifest für den Kampf für die echte, regionale, traditionelle Küche und kochte nebenbei ein fantastisches Pastagericht. Das Bruzzeln, Klackern, Hacken, Zischen und Knistern, das man aus der Küche so kennt, erklang dabei im Rhythmus und im Wettkampf mit der vierköpfigen Jazzliveband. Und dass die Pasta fantastisch war, ist nicht nur so dahingesagt – probieren durfte am Schluss nämlich jeder! Um genau zu sein: Wir wurden gefüttert...




Zum Anniversario della Liberazione sind wir am Abend in die Berge Salernos gefahren, um an einer ganz besonderen Feier teilzunehmen: Ein traditionelles Fest mit Lagerfeuer, neapolitanischer Band und einem alten Mann, der volkstümliche Geschichten erzählte und traditionelle neapolitanische Lieder sang. Wirklich verstanden habe ich von seinen Geschichten ohne Übersetzungsshilfe zwar ungefähr nichts bis gar nichts – der neapolitanische Dialekt ist definitiv eine Nummer zu viel für mich -, dafür haben wir ums Feuer getanzt und mit Kastagnetten geklappert bis zum Rande der Sehnenscheidenentzündung. Der Abend hatte wirklich etwas Surreales an sich. Es waren größtenteils junge Menschen und zugleich wirkte die Stimmung wie aus einer anderen, einer vergangenen Zeit. Irgendwie magisch. Sicher, auch in Deutschland leben junge Leute alte Traditionen. Bei uns steckt hinter Dirndl und Volkstanz allerdings eher nicht diese spirituelle, mystische und mitreißende Stimmung, wie sie hier aufkam. Es ist einfach ein anderer Rhythmus. Und die Balkanparty im Club um die Ecke ist zwar lustig, aber definitiv kein Ersatz! 

Auf der Rückfahrt machten wir noch Halt bei einem befreundeten Pasticceria-Besitzer und schauten ihm über die Schulter, während er mitten in der Nacht die leckersten Süßigkeiten der Amalfiküste für den Sonntagmorgen vorbereitete. Mein Favorit: Babà Napoletano - in Rum getränkte Zuckerbomben-Dolci! Göttlich!

Ich bin fest davon überzeugt: Solche Abende sind es, die das Herz einer Reiseerfahrung ausmachen. Es sind die emotionalen Eckpfeiler der Geschichte, die man mit seiner Reise für sich selbst und für andere schreibt. Bisher hatte ich das Glück, bereits viele, viele solcher Momente in dieser kurzen Zeit machen zu dürfen. Und ich freue mich darauf, sie weiterhin mit euch zu teilen!

Habt einen wundervollen Abend!

A presto!

Rieke