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Montag, 1. Juni 2015

Abenteuerausflug zum Ätna

Ciao!

Vielleicht erinnert ihr euch an mein Urteil über den Vesuv vor ein paar Wochen. Das fiel ungefähr so aus: „MEH“. Diesmal sag ich statt „meh“ nur „WOW“! Die Tagexkursion zum Ätna war einfach der Wahnsinn. Die Landschaft, die die Vulkanaktivität des Ätna kreiert hat und tagtäglich aufs Neue verändert, ist atemberaubend. Unterschiedliche Vegetationszonen, ein eigenes Mikroklima, spannende Kraterlandschaften – die Gegend rund um den Ätna hat irrsinnig viel zu bieten.


Ich hab erst ein bisschen gezaudert mit der Idee, Geld für eine Tagestour auszugeben. In meinem Hostel hatten mir aber alle von der Tour vorgeschwärmt und das hatte mir einen gehörigen Floh ins Ohr gesetzt. Auf eigene Faust den Ätna zu erkunden ist, besonders von der Nordseite, außerdem nicht so einfach. Vor allem nicht ohne fahrbaren Untersatz. Die Tour hat also gewonnen.

Morgens um neun ging es also los. Der Vorteil solcher Touren ist es übrigens auch, von der Unterkunft abgeholt zu werden – LUXUS! Unser Tourführer für den Tag hatte lustigerweise 12 Jahre lang in Deutschland gelebt und so wechselten wir fröhlich zwischen deutsch und italienisch hin und her, wenn nicht gerade in der ganzen Gruppe Englisch gesprochen wurde. Die erste Station für uns sieben Exkursionsteilnehmer war eine Höhle im Vulkangebiet. Helm auf dem Kopf, Taschenlampen an und rein ging's in Dunkle. Die Höhlen im Ätnagebiet sind zu großen Teilen aus sehr porösen Gesteinsarten und sind oft nach 100 Jahren schon wieder vollkommen verschüttet. Ein bisserl mulmig um die Ohren wird es einem schon, wenn man die ständige Erosion in so einer Höhle tatsächlich an den Wänden sehen kann. 




Die Decke ist uns dann aber doch nicht auf den Kopf gedonnert, also konnten wir uns danach auf den Weg hoch zu den Kratern des Ätna machen. Im Jahr 2002 hatte es am Ätna, im Nordgebiet, einige schwere Eruptionen gegeben, die von einem kleinen Touristenort nicht viel übrig ließen, mal mit Ausnahme dieses Hoteldachs vielleicht:



Heute kann man die damals entstandene Kraterlandschaft besichtigen. Und die ist wirklich imposant. Einmal auf dem Gelände angekommen, stellt der Kopf ganz automatisch auf Police um und fängt an, „Walking on the moon“ zu summen. Während man am Vesuv zwar diesen riesigen Krater sieht, aber sonst glauben könnte, auf einem „normalen“ Berg zu sein, ist der Spaziergang in diesem Gebiet des Ätna einfach nur surreal. Und deshalb auch drölfzig Mal spannender.






Im Norden des Ätna fließt der Alcantara Fluss und der war nach einer monstermäßigen Station in einem Weingut, um dort zu essen und zu trinken, unsere letzte Station. An diesem Punkt war ich spätestens jetzt happy, die Tour mitgemacht zu haben, denn wir hielten mitten im Nirgendwo und kraxelten uns durch einen kleinen, von Büschen halb verdeckten Weg. Den Zugang zu der kleinen Oase, die uns dahinter erwarten sollte, hätte ich im Leben allein nicht gefunden. Und wahrscheinlich steht diese Stelle auch nirgendwo offziell geschrieben. Einmal durch die Büsche einen Trampelpfad entlang gestiefelt, erreicht man dann schließlich den Fluss mit einem riesigen Felsenmeer aus weißen, glatten Steinen. Theoretisch kann man ab dort kilometerweit entlang des Flusses über das Felsenmeer klettern und ihm glasklaren Flusswasser plantschen. Mit etwas Zeit möchte ich unbedingt zurück, den Bikini im Gepäck, und dann irgendwo auf einen Felsvorsprung klettern und für immer dort bleiben. Oder bis ich Hunger bekomme.





Mein Fazit: Wer auf Sizilien ist, kann nicht einfach so den Ätna auslassen, sagt man. Und Recht haben sie. Für mich einer der besten Trips!

A presto!

Rieke

Mittwoch, 6. Mai 2015

Hallo Amalfiküste!

Ciao ihr Lieben! 

Genau wie manche Menschen ganz vorn in der ersten Reihe gestanden und HIIIEER geschrien haben müssen, als Gott die Schönheit verteilt hat, so muss es auch mit den Orten auf dieser Welt sein. Manche Flecken Erde sind einfach dermaßen überragend schön, dass man dem Braten gar nicht recht trauen will. Einer dieser Orte ist die Amalfiküste.

Eigentlich wollte ich aus Neapel noch gar nicht weg. Ich hatte mich ja gerade erst Hals über Kopf verknallt in diese chaotische Stadt. Aber zugleich war es auch mal Zeit für ein wenig Ruhe und Abstand von allem, was mit Großstadt und Trubel zu tun hatte. Noch von zuhause aus hatte ich ein kleines Bed and Breakfast in einem winzigen Ort an der Küste entdeckt und mich entschieden, dort unbedingt Halt machen zu wollen. Für einige Tage machte ich mich also auf in das italienische Paradies mit der Steilküste des Todes.

Kleinere Rückschläge (zum Beispiel aus Versehen in die falsche Küstenstadt zu fahren, weil die Namen sich ähneln und weil man im Hostel in Neapel immer alle vom falschen Ort plappern hörte und sich das wie eine Zecke im Hirn festgesetzt hatte) haben die Ankunft zwar etwas verzögert, dafür habe ich dadurch aber unerwartet mit dem Bus die komplette Amalfiküste abgefahren und konnte so in all die beeindruckenden Schluchten hinab blicken. Angekommen war ich dann irgendwann in dem winzig kleinen Paradies ERCHIE:


Eines hat mich besonders beeindruckt an der Amalfiküste: Die Lebensart! Mein Gott, was haben die Leute hier Zeit! Arbeiten um zu leben, nicht leben um zu arbeiten. Kommste heute nicht, kommste morgen auch nicht. Ist aber auch nicht so schlimm. Meine Hosts und all ihre Freunde, die ich getroffen hatte, gehörten wohl zu den entspanntesten Menschen, die mir bislang begegnet sind. Alle ein bisschen Hippie dort. Alle haben ein großes Interesse daran, selbstversorgend und mit regionalen Produkten zu leben. Das bringt übrigens einen wunderbaren Nebeneffekt mit sich: Das Essen ist großartig! Meine Gastgeberin, Meisterin im Finden von wildem Spargel, mein Gastgeber, Meister des traditionellen Brotbackens. Wir – das heißt, ich und zwei Mädels aus Kanada, die zur selben Zeit Gast waren – haben gespeist wie die Götter. 

Gianpietro macht Gnocchi!

Die Amalfiküste ist wirklich ein wunderbarer Ort, um sich zu entspannen. Und das hatte ich auch bitter nötig. Nach einer super stressigen Phase vor meinem Abflug nach Italien und den aufregenden Tagen in Rom und Neapel regte sich nämlich inzwischen die gute alte „Stressabfallkrankheit".


Was da hilft, sind vor allem zwei Dinge: 1. Am Strand liegen. 2. Wandern gehen! Es gibt wohl nicht viele Orte in Italien, in denen das Wandern schöner sein kann als an der Amalfiküste. Ich bin mit den anderen Mädels aus Kanada an einem Tag den „Path of the Gods“ von Amalfi nach Positano gelaufen und muss sagen: Der Name kommt nicht von irgendwo. Eine wunderbare Landschaft, ein beeindruckender Ausblick und ein Abstieg, der wunderbar hilft, die Arschmuskeln zu trainieren – 2000 Treppenstufen, olé! Seht selbst:





Kleiner Störenfried beim Wanderpicknick.


A presto!

Rieke

Freitag, 1. Mai 2015

Ein Tag im Schatten des Vulkans



Ciao ihr Lieben!

Meistens sind Touristenattraktionen ja irgendwie furchtbar. Ich versuche oft, alles ein bisschen anders anzugehen, mich nicht sofort irgendeiner Tour anzuschließen oder auch mal Umwege zu machen, um die wichtigen, aber auch die weniger bekannten Dinge zu sehen. Manchmal geht’s dann aber auch nicht anders. Zum Beispiel wenn man vorhat, den Vesuv und Pompeji an einem Tag zu besichtigen. Dann kann man eben nicht ganz in Ruhe – und umsonst - den gesamten Vulkan heraufstapfen. Dann muss man eben in den sauren Apfel beißen und mit dem Touribus vorfahren. Mein Fazit: Manchmal ist es ok, die Groschen für ein bisschen Convenience rauszuhauen. Nerven tut es dann aber doch, dass andere die Pläne für einen machen.

Ich habe mich also noch von Neapel aufgemacht, um zunächst den Vesuv und dann Pompeji zu besichtigen. Eigentlich wollte ich morgens zum Startschuss in den Wanderschuhen stecken und die Bimmelbahn stadtauswärts nehmen, aber...nun ja, ich hab dann irgendwie doch Urlaub und ziemlich herumgetrödelt. Frühstücken, duschen, Sachen einpacken, noch mal Emails checken, 15 Minuten einfach da so herumsitzen – Leben braucht manchmal eben so seine Zeit.  Irgendwann saß ich dann aber doch mit all den anderen rucksackbepackten Kulturfreudigen im Sonderzug nach Pankow Bummelzug nach Pompeji.

Meistens sind ja nicht nur Touristenattraktionen sondern auch die Touristen irgendwie furchtbar. Besonders diejenigen, die aus dem eigenen Land kommen. Es ist schon interessant, wie sehr einen die eigenen Landsleute besonders aufregen können. Vielleicht weil man sich selbst auf einmal auf sehr seltsame Weise in einem fremden Kontext von außen betrachtet. Und man sich Dinge fragt wie: Warum haben Deutsche, die in Warteschlangen vor Museen stehen, eigentlich selten andere Gesprächsthemen als die Länge der Schlange, die Beurteilung des bisherigen Vorankommens in derselbigen und die Aufstellung von Prognosen, wie lange man noch dort anstehen werde? Bei den Franzosen habe ich um einiges Philosophischeres belauschen können. Vielleicht ist die Evaluation der eigenen Wartesituation aber auch eine deutsche Art der philosophischen Betrachtung des eigenen Seinszustandes. Vielleicht sind wir Deutschen aber auch einfach echt lahm.

Doch zurück zum Thema, ich will ja hier auch einen informativen Bericht abliefern. Und so. Ich habe also, um es kurz zu machen, ein bisschen die Faust in der Tasche gemacht und ein bis zwölf Euronen gezahlt, um einen Minibus bis zum Wanderwegeingang des Vesuvs zu nehmen. Das wäre bei der Strecke auch alles sein Geld wert gewesen, wenn der Fahrer uns nicht eine genaue Abfahrtszeit gegeben hätte, die tendenziell eher für Kurzstreckenolympioniken berechnet wurde. Das habe ich aber erst gemerkt, als ich oben auf dem Vesuv angekommen war und – ich gebe es zu – bei dem Wahnsinnsausblick den Blick auf meine Uhr vielleicht nicht mehr so hinbekommen habe. Hinunter bin ich dann gejoggt. Für mich immerhin weniger schnappatmungauslösend als für das ältere Ehepaar aus meinem Bus, das wohl auch zu lang in die Weite gestarrt hat. Der Ausblick ist nämlich wirklich scharf. Der Vulkankrater an sich ist natürlich genauso beeindruckend, das aber vor allem durch seine Dimension. Man braucht schon viel Vorstellungskraft, um sich auszumalen, dass dieses große dreckige Loch (das auch eine Kiesgrube in Erftstadt-Erp sein könnte) tatsächlich unter seiner Oberfläche noch ordentlich brodelt. Mit ein bisschen Augenzwinkern ziehe ich deshalb mein Fazit zum Vesuv: Drecksloch mit Aussicht. Aber mit was für einer!





Nächste Station: Pompeji. Und ich glaube, andere Touristen haben mich an keinem Ort weniger gestört als dort. Denn Pompeji ist gigantisch. So riesig, dass sich sofort alles verläuft und man viele Straßen nahezu allein bewandern kann. Und herumzuwandern und selbst zu entdecken, das ist in Pompeji eine wunderbare Sache. Ich will gar nicht zu viele Einzelheiten loswerden, aber es ist schon beeindruckend zu sehen, in welchen Ausmaßen und in welcher Modernität die Menschen hier damals lebten. Die langen Straßenzüge, die dich Richtung Horizont tragen, die detaillierten Mosaikbilder oder Malereien, die hier und dort noch zu sehen sind, die Überbleibsel von „Street Food“- Geschäften und Theatern – all das hat mich beinahe mehr fasziniert als die Abgüsse der verschütteten Bewohner Pompejis. Pompeji ist ein Ort, in dem man sich auf wunderbare Weise verlieren kann. Man sagt, man soll etwa 3 bis 4 Stunden für den Besuch einplanen. Ich glaube, ich habe gute 5 Stunden dort verbracht und war eine der letzten, die das Gelände verlassen hat. Einfach wunderbar.





Ein sehr subtiler Hinweis im Straßenpflaster auf den nächstgelegenen Puff

Eine Führung habe ich übrigens nicht gemacht. Mein Tipp: Ladet Euch für Euren Besuch einen Podcast herunter oder eine App oder wie auch immer und lasst euch bei euren Streifzügen so berieseln. So bekommt man auch einen ganzen Haufen Informationen und einen ungefähren Anhaltspunkt für den Spazierweg, aber bleibt unabhängig. Pause, Rückspulen, Vorspulen, Weiter. Tippi Toppi.

Abends habe ich dann wieder gemerkt: Inzwischen habe ich mich so an mein Leben in Berlin gewöhnt, dass es für mich ganz normal ist, an jedem Wochentag überall alles bekommen zu können. Ich hatte bei all den Eindrücken des Tages vergessen, dass ich auch etwas essen sollte. Und dass die Beschaffung von Essbarem an einem Sonntagabend durchaus problematisch werden könnte. Ein großes Danke sende ich deshalb an mein wunderbares Hostel in Neapel (La Controra), denn: ABENDPROGRAMM! Zur italienischen Komödie auf der Leinwand im Garten des Hostels gab es Happy Hour mit Getränk von der Bar und PASTA PASTA PASTA!

Und so endete der Abend mit einem beginnendem Muskelkater des Todes, einem vollen Bauch, einem lustigen Kopf und viel Vorfreude auf die nächste Station: Die Amalfiküste! Was ich dort so getrieben habe, erzähle ich euch dann beim nächsten Mal.


A presto!


Rieke