Samstag, 9. Mai 2015

Über fehlende Puzzleteile


Ciao, Ihr Lieben!

Heute abend wollte ich mit euch noch ein paar persönliche Gedanken teilen, die mich während meines Aufenthalts an der Amalfiküste beschäftigt haben. Die Amalfiküste ist wirklich ein besonderer Fleck Erde. Wer nicht gerade in der absoluten Hochsaison dort aufschlägt, erlebt ein wunderbar entspanntes Naturwunder, das man nicht mehr so schnell vergisst. Die Natur und ihre Schätze sind hier so reichhaltig und divers, dass man jeden Tag Neues entdecken und lernen kann. Und man findet hier Menschen, die genau das Tag für Tag tun wollen.

Für mich war es dennoch nach einigen Tagen höchste Zeit, wieder weiterzuziehen. Nicht nur, weil noch so viel mehr auf meiner Liste stand, sondern auch, weil es mir meine Hummeln im Hintern und mein Bauchgefühl befahlen. Das habe ich in jeder Faser meines Körpers gespürt. Es ist schon seltsam: Manchmal kann ein Ort noch so bezaubernd, die Menschen noch so herzlich und das Wetter noch so göttlich sein – wenn irgendein winziges, unbenennbares Puzzleteilchen fehlt, kommt man dort an diesem Ort nicht so an, wie man es gern möchte. Man verhält sich anders, als man es von sich selbst kennt. Man verspürt Unruhe. Die Gelassenheit fehlt. Ich wurde in diesen Tagen manchmal sehr still und es fiel mir nicht leicht, so unbedarft in die Welt hineinzuplappern, wie ich es sonst tue. Ich genoss die Zeit sehr – aber irgendetwas fehlte. Aber danach zu suchen, hat irgendwie keinen Sinn ergeben. Denn man sucht nach etwas, das man nicht finden kann - weil man keinen blassen Schimmer hat, wie das, was man da sucht, eigentlich aussieht. Sich in Gedanken zu überschlagen, was der Grund dafür sein könnte, bringt dich deshalb keinen großen Sprung weiter.

Manchmal sind es ja gerade diese kleinen Erfahrungen, die ganze Gedankenketten auslösen. Für mich habe ich vor allem eine Erkenntnis daraus gezogen: Acceptance is key. Auch und vor allem die Akzeptanz für die eigenen Stimmungen, Gefühle und Bedürfnisse. Viel zu oft verdrängen, verbieten oder bewerten wir unseren spontanen Gefühlsregungen und stülpen irgendetwas darüber, was uns als in dem Moment angebrachter erscheint. Manchmal sind die Dinge aber einfach wie sie sind. Und über sich selbst zu richten ist vollkommen Banane. Lernen, auf den Bauch oder die innere Stimme oder wie auch immer ihr es nennen mögt, zu hören – dabei hilft so eine Reise mehr als jeder Glücksratgeber oder Meditationsseminar. Denn im Grunde ist es ja auf einer Reise viel weniger schlimm, wenn ein Teilchen zum Glück fehlt: Wir können es einfach an einem anderen Ort weitersuchen. Und manchmal, da kommt man an einem Ort an, und jemand hat das Puzzle für einen schon fertig gesetzt. Und das Gefühl ist wirklich das Allerdufteste.

A presto!

Rieke

Freitag, 8. Mai 2015

Vom Leben gelernt: Rieke und die Boote

Ciao Ihr Lieben!

Es heißt ja so schön, auf Reisen lernt man Dinge fürs Leben. Und ja - da ist was dran. Leider lernt man nicht immer nur schöne Sachen über sich und die Welt. Lektion Numero Uno für mich (und super Random Fact für euch): Rieke und Boote gehen nicht zusammen. Wer mich mal speien sehen will, der braucht mich nicht abzufüllen. Er kann mich einfach auf ein Boot setzen. Am Allerbesten ein kleines, das auch so richtig schön schaukelt.

"Kommt, lasst uns Tretboot auf dem Meer fahren!", sagten wir uns eines schönen Morgens am Frühstückstisch an der Amalfiküste. Es war nicht so, als hätte ich es nicht schon geahnt, was dabei passieren könnte. Vor zwei Jahren wurde mir ein Segeltrip auf Malta zum Verhängnis und dieses Ereignis hat sicherlich auf ewig einen Ehrenplatz in den Top Ten meiner schlimmsten Erfahrungen ergattert. Es gibt keine Krankheit, die so schnell Selbstmordgedanken auslöst, wie Seekrankheit - kein Sch***, das hab ich mal gegoogelt! Ich weiß heute: Diese Pole Position hat sich die bescheuerte Seekrankheit wirklich verdient. Bevor ich damals auf Malta ernsthaft überlegt hatte, vom Schiff zu springen, hatte ich vorher allerdings noch gedroht, die Schiffscrew K.O. zu schlagen. Aber, wie so oft (und weil Erfahrungen mit der Zeit ja so furchtbar angenehm verblassen) dachte ich mir: "Kann ich nicht? Is mir egal, wird einfach ignoriert. Das haut schon hin!" 

Normalerweise halte ich diese Attitüde für eine durchaus gesunde Einstellung. In diesem Fall war sie es nicht. In diesem einen Fall hätte ich mir sagen sollen: Friederike, manche Dinge sollen einfach nicht sein. Zum Beispiel Tretboot auf dem Meer zu fahren ... um dann nach einer Stunde tapferen Durchhaltens und stoischen Ignorierens der in Wellen anschwellenden Übelkeit vom Tretboot fein ins Meer spucken. 

Und ja, ich habe den Horizont am Festland angepeilt. Was habe ich ihn angestarrt und mir gewünscht ich wäre dort am Festland und schleckte lässig an einem Gelato, während ich die Bekloppten auf ihren Booten beobachtete. Und ja, ich habe tief und regelmäßig durchgeatmet. Wie eine Schwangere im Geburtsvorbereitungskurs. Und ja, ich hatte auch diese lustigen Akupressurarmbänder. Wie eine Tennisspielerin aus den 80ern oder ein verzweifelter Teenie, der den Schweißbandtrend neu aufleben lassen will, sah ich aus. Und die Wirkung? Super Fail. 

Ich fahr jetzt nur noch Jetski und Speedboat. Das hab ich auch schon getestet, das läuft ganz famos! Je mehr Kawummtich unter der Haube, desto weniger Selbstmordgedanken!


Ein, zwei nette Bilder vom Ausflug habe ich aber zwischen dem Fische füttern dennoch für euch schießen können:





A presto!

Rieke

Donnerstag, 7. Mai 2015

Amalfiküste: Über kleine Alltagsabenteuer

Buonasera, Ihr Lieben! 

(WAHNSINN - jetzt bin ich mal ganz fix und schiebe direkt einen nächsten, kleinen Post hinterher) 

Das Schönste an Airbnb - wenn es richtig läuft - ist es meiner Meinung nach, die Nase mit ganz viel Neugier in den Alltag anderer Menschen stecken zu dürfen. Und dabei Dinge zu erleben, die einem als normalem Touristen sonst verschlossen bleiben würden. Ich hatte hier an der Amalfiküste vor allem zwei Abende, die mir genau das geboten haben. Wie immer gibt es natürlich von besonderen Ereignissen wie diesen keine oder nur furchtbar schlechte Fotos...weil man die Kamera liegen lassen hat, weil die Kamera auf einmal doof ist oder einfach weil man so im Moment gefangen ist, dass man gar nicht daran denkt, ein Foto zu machen... Ihr mögt es mir bitte nachsehen!



Don Pasta, eigentlich Daniele, ist ein Freund meiner Gastgeber, bekannter italienischer Koch, Kochbuchautor – und DJ (Für ein schöneres Foto bitte einfach googeln :D). Einer dieser Menschen, die so begeistert fünfzehn verschiedene Dinge in einer Hand jonglieren, dass man gar nicht anders kann, als fasziniert zuzuschauen und sich zu wünschen, man könnte das alles genauso charmant vorbringen. Für sein neues Buch hat er sich eines der ältesten italienischen Kochbücher vorgenommen: Das Kochbuch von Pellegrino Artusi. Aus dieser Bibel der traditionellen italienischen Küche hat er einen Remix gemacht – und ihn vor ein paar Tagen allen Kunst- und Kochschmauswilligen in Salerno vorgestellt. Und weil er nicht einfach Autor ist, gab es nicht etwa eine Lesung, sondern eine Videokunst-Livemusik-Livekoch-Performance. Während auf der großen Leinwand italienische Großmütter beim Kochen in die Kamera grinsten und mit synthesizerverzerrter Stimme Rezepte Preis gaben, schmetterte Don Pasta ein Manifest für den Kampf für die echte, regionale, traditionelle Küche und kochte nebenbei ein fantastisches Pastagericht. Das Bruzzeln, Klackern, Hacken, Zischen und Knistern, das man aus der Küche so kennt, erklang dabei im Rhythmus und im Wettkampf mit der vierköpfigen Jazzliveband. Und dass die Pasta fantastisch war, ist nicht nur so dahingesagt – probieren durfte am Schluss nämlich jeder! Um genau zu sein: Wir wurden gefüttert...




Zum Anniversario della Liberazione sind wir am Abend in die Berge Salernos gefahren, um an einer ganz besonderen Feier teilzunehmen: Ein traditionelles Fest mit Lagerfeuer, neapolitanischer Band und einem alten Mann, der volkstümliche Geschichten erzählte und traditionelle neapolitanische Lieder sang. Wirklich verstanden habe ich von seinen Geschichten ohne Übersetzungsshilfe zwar ungefähr nichts bis gar nichts – der neapolitanische Dialekt ist definitiv eine Nummer zu viel für mich -, dafür haben wir ums Feuer getanzt und mit Kastagnetten geklappert bis zum Rande der Sehnenscheidenentzündung. Der Abend hatte wirklich etwas Surreales an sich. Es waren größtenteils junge Menschen und zugleich wirkte die Stimmung wie aus einer anderen, einer vergangenen Zeit. Irgendwie magisch. Sicher, auch in Deutschland leben junge Leute alte Traditionen. Bei uns steckt hinter Dirndl und Volkstanz allerdings eher nicht diese spirituelle, mystische und mitreißende Stimmung, wie sie hier aufkam. Es ist einfach ein anderer Rhythmus. Und die Balkanparty im Club um die Ecke ist zwar lustig, aber definitiv kein Ersatz! 

Auf der Rückfahrt machten wir noch Halt bei einem befreundeten Pasticceria-Besitzer und schauten ihm über die Schulter, während er mitten in der Nacht die leckersten Süßigkeiten der Amalfiküste für den Sonntagmorgen vorbereitete. Mein Favorit: Babà Napoletano - in Rum getränkte Zuckerbomben-Dolci! Göttlich!

Ich bin fest davon überzeugt: Solche Abende sind es, die das Herz einer Reiseerfahrung ausmachen. Es sind die emotionalen Eckpfeiler der Geschichte, die man mit seiner Reise für sich selbst und für andere schreibt. Bisher hatte ich das Glück, bereits viele, viele solcher Momente in dieser kurzen Zeit machen zu dürfen. Und ich freue mich darauf, sie weiterhin mit euch zu teilen!

Habt einen wundervollen Abend!

A presto!

Rieke


Mittwoch, 6. Mai 2015

Hallo Amalfiküste!

Ciao ihr Lieben! 

Genau wie manche Menschen ganz vorn in der ersten Reihe gestanden und HIIIEER geschrien haben müssen, als Gott die Schönheit verteilt hat, so muss es auch mit den Orten auf dieser Welt sein. Manche Flecken Erde sind einfach dermaßen überragend schön, dass man dem Braten gar nicht recht trauen will. Einer dieser Orte ist die Amalfiküste.

Eigentlich wollte ich aus Neapel noch gar nicht weg. Ich hatte mich ja gerade erst Hals über Kopf verknallt in diese chaotische Stadt. Aber zugleich war es auch mal Zeit für ein wenig Ruhe und Abstand von allem, was mit Großstadt und Trubel zu tun hatte. Noch von zuhause aus hatte ich ein kleines Bed and Breakfast in einem winzigen Ort an der Küste entdeckt und mich entschieden, dort unbedingt Halt machen zu wollen. Für einige Tage machte ich mich also auf in das italienische Paradies mit der Steilküste des Todes.

Kleinere Rückschläge (zum Beispiel aus Versehen in die falsche Küstenstadt zu fahren, weil die Namen sich ähneln und weil man im Hostel in Neapel immer alle vom falschen Ort plappern hörte und sich das wie eine Zecke im Hirn festgesetzt hatte) haben die Ankunft zwar etwas verzögert, dafür habe ich dadurch aber unerwartet mit dem Bus die komplette Amalfiküste abgefahren und konnte so in all die beeindruckenden Schluchten hinab blicken. Angekommen war ich dann irgendwann in dem winzig kleinen Paradies ERCHIE:


Eines hat mich besonders beeindruckt an der Amalfiküste: Die Lebensart! Mein Gott, was haben die Leute hier Zeit! Arbeiten um zu leben, nicht leben um zu arbeiten. Kommste heute nicht, kommste morgen auch nicht. Ist aber auch nicht so schlimm. Meine Hosts und all ihre Freunde, die ich getroffen hatte, gehörten wohl zu den entspanntesten Menschen, die mir bislang begegnet sind. Alle ein bisschen Hippie dort. Alle haben ein großes Interesse daran, selbstversorgend und mit regionalen Produkten zu leben. Das bringt übrigens einen wunderbaren Nebeneffekt mit sich: Das Essen ist großartig! Meine Gastgeberin, Meisterin im Finden von wildem Spargel, mein Gastgeber, Meister des traditionellen Brotbackens. Wir – das heißt, ich und zwei Mädels aus Kanada, die zur selben Zeit Gast waren – haben gespeist wie die Götter. 

Gianpietro macht Gnocchi!

Die Amalfiküste ist wirklich ein wunderbarer Ort, um sich zu entspannen. Und das hatte ich auch bitter nötig. Nach einer super stressigen Phase vor meinem Abflug nach Italien und den aufregenden Tagen in Rom und Neapel regte sich nämlich inzwischen die gute alte „Stressabfallkrankheit".


Was da hilft, sind vor allem zwei Dinge: 1. Am Strand liegen. 2. Wandern gehen! Es gibt wohl nicht viele Orte in Italien, in denen das Wandern schöner sein kann als an der Amalfiküste. Ich bin mit den anderen Mädels aus Kanada an einem Tag den „Path of the Gods“ von Amalfi nach Positano gelaufen und muss sagen: Der Name kommt nicht von irgendwo. Eine wunderbare Landschaft, ein beeindruckender Ausblick und ein Abstieg, der wunderbar hilft, die Arschmuskeln zu trainieren – 2000 Treppenstufen, olé! Seht selbst:





Kleiner Störenfried beim Wanderpicknick.


A presto!

Rieke

Freitag, 1. Mai 2015

Ein Tag im Schatten des Vulkans



Ciao ihr Lieben!

Meistens sind Touristenattraktionen ja irgendwie furchtbar. Ich versuche oft, alles ein bisschen anders anzugehen, mich nicht sofort irgendeiner Tour anzuschließen oder auch mal Umwege zu machen, um die wichtigen, aber auch die weniger bekannten Dinge zu sehen. Manchmal geht’s dann aber auch nicht anders. Zum Beispiel wenn man vorhat, den Vesuv und Pompeji an einem Tag zu besichtigen. Dann kann man eben nicht ganz in Ruhe – und umsonst - den gesamten Vulkan heraufstapfen. Dann muss man eben in den sauren Apfel beißen und mit dem Touribus vorfahren. Mein Fazit: Manchmal ist es ok, die Groschen für ein bisschen Convenience rauszuhauen. Nerven tut es dann aber doch, dass andere die Pläne für einen machen.

Ich habe mich also noch von Neapel aufgemacht, um zunächst den Vesuv und dann Pompeji zu besichtigen. Eigentlich wollte ich morgens zum Startschuss in den Wanderschuhen stecken und die Bimmelbahn stadtauswärts nehmen, aber...nun ja, ich hab dann irgendwie doch Urlaub und ziemlich herumgetrödelt. Frühstücken, duschen, Sachen einpacken, noch mal Emails checken, 15 Minuten einfach da so herumsitzen – Leben braucht manchmal eben so seine Zeit.  Irgendwann saß ich dann aber doch mit all den anderen rucksackbepackten Kulturfreudigen im Sonderzug nach Pankow Bummelzug nach Pompeji.

Meistens sind ja nicht nur Touristenattraktionen sondern auch die Touristen irgendwie furchtbar. Besonders diejenigen, die aus dem eigenen Land kommen. Es ist schon interessant, wie sehr einen die eigenen Landsleute besonders aufregen können. Vielleicht weil man sich selbst auf einmal auf sehr seltsame Weise in einem fremden Kontext von außen betrachtet. Und man sich Dinge fragt wie: Warum haben Deutsche, die in Warteschlangen vor Museen stehen, eigentlich selten andere Gesprächsthemen als die Länge der Schlange, die Beurteilung des bisherigen Vorankommens in derselbigen und die Aufstellung von Prognosen, wie lange man noch dort anstehen werde? Bei den Franzosen habe ich um einiges Philosophischeres belauschen können. Vielleicht ist die Evaluation der eigenen Wartesituation aber auch eine deutsche Art der philosophischen Betrachtung des eigenen Seinszustandes. Vielleicht sind wir Deutschen aber auch einfach echt lahm.

Doch zurück zum Thema, ich will ja hier auch einen informativen Bericht abliefern. Und so. Ich habe also, um es kurz zu machen, ein bisschen die Faust in der Tasche gemacht und ein bis zwölf Euronen gezahlt, um einen Minibus bis zum Wanderwegeingang des Vesuvs zu nehmen. Das wäre bei der Strecke auch alles sein Geld wert gewesen, wenn der Fahrer uns nicht eine genaue Abfahrtszeit gegeben hätte, die tendenziell eher für Kurzstreckenolympioniken berechnet wurde. Das habe ich aber erst gemerkt, als ich oben auf dem Vesuv angekommen war und – ich gebe es zu – bei dem Wahnsinnsausblick den Blick auf meine Uhr vielleicht nicht mehr so hinbekommen habe. Hinunter bin ich dann gejoggt. Für mich immerhin weniger schnappatmungauslösend als für das ältere Ehepaar aus meinem Bus, das wohl auch zu lang in die Weite gestarrt hat. Der Ausblick ist nämlich wirklich scharf. Der Vulkankrater an sich ist natürlich genauso beeindruckend, das aber vor allem durch seine Dimension. Man braucht schon viel Vorstellungskraft, um sich auszumalen, dass dieses große dreckige Loch (das auch eine Kiesgrube in Erftstadt-Erp sein könnte) tatsächlich unter seiner Oberfläche noch ordentlich brodelt. Mit ein bisschen Augenzwinkern ziehe ich deshalb mein Fazit zum Vesuv: Drecksloch mit Aussicht. Aber mit was für einer!





Nächste Station: Pompeji. Und ich glaube, andere Touristen haben mich an keinem Ort weniger gestört als dort. Denn Pompeji ist gigantisch. So riesig, dass sich sofort alles verläuft und man viele Straßen nahezu allein bewandern kann. Und herumzuwandern und selbst zu entdecken, das ist in Pompeji eine wunderbare Sache. Ich will gar nicht zu viele Einzelheiten loswerden, aber es ist schon beeindruckend zu sehen, in welchen Ausmaßen und in welcher Modernität die Menschen hier damals lebten. Die langen Straßenzüge, die dich Richtung Horizont tragen, die detaillierten Mosaikbilder oder Malereien, die hier und dort noch zu sehen sind, die Überbleibsel von „Street Food“- Geschäften und Theatern – all das hat mich beinahe mehr fasziniert als die Abgüsse der verschütteten Bewohner Pompejis. Pompeji ist ein Ort, in dem man sich auf wunderbare Weise verlieren kann. Man sagt, man soll etwa 3 bis 4 Stunden für den Besuch einplanen. Ich glaube, ich habe gute 5 Stunden dort verbracht und war eine der letzten, die das Gelände verlassen hat. Einfach wunderbar.





Ein sehr subtiler Hinweis im Straßenpflaster auf den nächstgelegenen Puff

Eine Führung habe ich übrigens nicht gemacht. Mein Tipp: Ladet Euch für Euren Besuch einen Podcast herunter oder eine App oder wie auch immer und lasst euch bei euren Streifzügen so berieseln. So bekommt man auch einen ganzen Haufen Informationen und einen ungefähren Anhaltspunkt für den Spazierweg, aber bleibt unabhängig. Pause, Rückspulen, Vorspulen, Weiter. Tippi Toppi.

Abends habe ich dann wieder gemerkt: Inzwischen habe ich mich so an mein Leben in Berlin gewöhnt, dass es für mich ganz normal ist, an jedem Wochentag überall alles bekommen zu können. Ich hatte bei all den Eindrücken des Tages vergessen, dass ich auch etwas essen sollte. Und dass die Beschaffung von Essbarem an einem Sonntagabend durchaus problematisch werden könnte. Ein großes Danke sende ich deshalb an mein wunderbares Hostel in Neapel (La Controra), denn: ABENDPROGRAMM! Zur italienischen Komödie auf der Leinwand im Garten des Hostels gab es Happy Hour mit Getränk von der Bar und PASTA PASTA PASTA!

Und so endete der Abend mit einem beginnendem Muskelkater des Todes, einem vollen Bauch, einem lustigen Kopf und viel Vorfreude auf die nächste Station: Die Amalfiküste! Was ich dort so getrieben habe, erzähle ich euch dann beim nächsten Mal.


A presto!


Rieke


Dienstag, 28. April 2015

Neapel - Eine Liebe auf den zweiten Blick


Ciao!

Heute also endlich mein Bericht zu Neapel! Letzte Woche habe ich ein paar Tage in dieser trubeligen, unglaublich lebendigen Stadt voller Geschichte, Spiritualität und frischer Wäsche in den Fenstern verbracht.

Ich muss gestehen: Die Faszination für Neapel hat mich erst auf den zweiten Blick gepackt. Wenn man von Rom nach Neapel kommt, dann erscheint alles zunächst einmal weniger großzügig und beeindruckend. (Und viele Leute sind gruselig angezogen :D) Und es stimmt, Rom und Neapel lassen sich nicht vergleichen. Doch Neapel hat mich auf den zweiten Blick fast noch ein wenig mehr fasziniert.

Eines der wunderbarsten Dinge, das sich in Neapel ganz von allein ergibt, ist es, sich zu verlaufen. Ich rühme mich normalerweise mit  einem ziemlich guten Orientierungssinn, aber Neapel ist wohl eine Nummer zu groß für mich. Man ist der festen Überzeugung, man habe nur drei Schritte geradeaus getan und stellt fest, dass man 25 Kringel gelaufen und in einem anderen Teil der Stadt gelandet ist. Durch diese Kringel hat man dann allerdings auch urige, geschlängelte Straßenzüge entdeckt, in denen kiloweise frische Wäsche zwischen den Fenstern gespannt hängt, ist mitten in das Straßenfußballturnier kleiner Jungs gelaufen oder konnte durch die kleinen Fenster im Erdgeschoss einen kurzen Blick in die Wohnungen und das Leben im Spanischen Viertel erhaschen.





Während ich mich am ersten Tag einfach ein bisschen durch die Straßen treiben ließ, habe ich mich tags drauf zu einer Free Walking Tour entschieden. Und ich muss sagen: Eine meiner besten Entscheidungen auf meiner bisherigen Reise! Mario, unser Guide, hat es in zwei Stunden geschafft, uns die Liebe der Menschen für ihre Stadt und ihre napolitanischen Eigenheiten ein wenig näher zu bringen und war dabei so erfolgreich, dass danach alle ganz verschossen in Neapel waren. Geholfen hat dabei sicher auch der kulinarische Zwischenstopp bei Fernanda, einer älteren Dame, die im Spanischen Viertel die traditionelle „Pizza Fritta“ in einer winzigen Küche gegenüber ihrer Wohnung zu bereitet.

Mario erklärt uns bei Fernanda (VIA SPERANZELLA) die Geheimnisse des Spanischen Viertels.

Pizza Fritta!!

Neapel ist eine Stadt vieler, vieler paralleler Welten. Das Spannende dabei ist, dass sie wortwörtlich übereinander geschichtet sind. Das Material der Häuser, Tufo, im alten Teil Neapels ist zum Beispiel aus dem Boden darunter geholt worden, weshalb sich im Untergrund nun quasi eine komplette unterirdische Stadt aus Hohlräumen befindet. Diese sind zum Teil zu besichtigen, ansonsten aber gefüllt mit Müll oder wurden von der Mafia als Lager benutzt. Hier sind wir dann auch beim leidigen Thema: Dreck und Kriminalität. Viele Touristen, hat man mir inzwischen erzählt, meiden Neapel aus diesen Gründen. Und ja, diese Vorurteile sind durchaus begründet und für die Bewohner eine ernste Angelegenheit – als reiner Besucher Neapels bekommt man davon allerdings nicht viel mit. Statt fernzubleiben, entscheide ich mich also lieber dafür, den positiven Seiten der Menschen und des Lebens hier ein offenes Ohr und ein waches Auge zu schenken und lausche weiter den Geschichten, wie man sich auch über die Dächer Neapels fortbewegen und Freunden in anderen Häusern Hallo sagen kann.


Aufwändige Häuserfassaden sieht man in Neapel selten - die Straßen im Centro Storico sind viel zu eng dafür. Wert legte man deshalb immer auf imposante Türen und wunderschöne Innenhöfe. Die Schönheit Neapels liegt im Verborgenen. Ein Tipp unseres Guides Mario: Trotzdem gucken. Wenn irgendwo eine Tür offen steht, einfach reinhüpfen. "Better to say sorry than to ask for permission!"



Ich habe es bisher leider noch nicht nach New Orleans geschafft, aber ich glaube, Neapel ist das New Orleans Europas. Tierisch musikalisch, unglaublich emotional und sehr spirituell.  Wahrscheinlich rührt dies von den vielen Einflüssen unterschiedlicher Herrschaftsperioden her, innerhalb derer die Menschen ihren eigenen Zugang zu den Dingen gesucht haben. Und zuletzt, vielleicht ist es auch das: Neapel ist ebenso wie New Orleans den Gefahren der Natur in besonderem Maße ausgesetzt. Denn der Vesuv, um dessen Krater ich so friedlich herummarschiert  bin (Bericht folgt!), ist noch immer aktiv und wird sich höchstwahrscheinlich in den nächsten hundert Jahren bei den Bewohnern lautstark melden. Bis es soweit ist, zucken die aber nur mit den Schultern, beißen in ihre Pizza Fritta und genießen das Leben.





A presto!
Rieke

Donnerstag, 23. April 2015

TOGETHER - Good Vibrations in Rom

Ciao ihr Lieben!

Nachdem meine erste Woche in Rom nun schon ein paar Tage zurück liegt (Und JAA, es geht bald weiter mit meinen Posts - aber ich hole bald auf!), möchte ich euch noch von einer ganz bestimmten Sache erzählen: Meiner Unterkunft! Mein Bauchgefühl, das mich überkam, als ich TOGETHER bei Airbnb entdeckte, hat mich nicht getäuscht. Es hat mich sogar tatsächlich überrascht, WIE gut es war. Ich hatte ein paar wirklich wunderbare Tage in Rom und hätte mir keinen besseren Start in mein Abenteuer wünschen können. Deshalb möchte ich euch ein bisschen mehr von dem Ort erzählen, der für mich nicht einfach ein schöner Platz zum Schlafen war, sondern schon mit meiner Ankunft zu einem Zuhause auf Zeit wurde.


TOGETHER versteht sich als „Cross-inspirational place that feels like home“. Große Worte entpuppen sich ja leider oft als leere Hülsen. Bei TOGETHER ist aber das Gegenteil der Fall, denn die Realität füllt diese ambitionierten Worte noch mehr mit Bedeutung. TOGETHER gibt dir – und sei der Aufenthalt noch so kurz – wirklich das Gefühl eines Zuhauses in der Fremde. Hier leben Kurzzeit- und Langzeitmieter in Trastevere unter zwei Dächern (Mansion und Garden) zusammen. Wer möchte, kann an Workshops teilnehmen, die teilweise von Bewohnern gehalten werden. Und wenn man sein eigenes Wissen teilen möchte, kann man sich einbringen und selbst neue Aktivitäten starten – Yogastunden, Kochkurse, Social Media Workshops – alles ist möglich. Daraus ergibt sich nicht nur für dich ein unvergesslicher Aufenthalt, sondern bereichert auch das kulturelle Leben im Rom der Jungen und Kreativen. Die lokale und die globale Community treffen aufeinander und im besten Fall entsteht dabei eine Atmosphäre, die alle inspiriert, Neues zu probieren. Auch die Architekturführung durch Trastevere, von der ich bereits berichtete, war ein Event von TOGETHER. Leider habe ich Rom dann verlassen, bevor ich an weiteren Aktionen teilnehmen konnte – aber ohnehin war es meist einfach das ungezwungene Treffen zum gemeinsamen Kochen oder Ausgehen auf ein Bier in den Straßen Trasteveres, das den Alltag hier ausmacht.


Ernesto, der Gründer des Projekts ist ein weit gereister Blogger und Youtuber und hat aus Orten wie London oder San Francisco wunderbare Ideen mitgebracht, wie man Menschen zusammenbringt und kreative Ideen zum Leben erweckt. Ende 2013 rief er zusammen mit zwei Freunden das Non-Profit-Projekt TOGETHER ins Leben. Auf 200qm konnten jetzt im „Mansion“-Haus Leute aus aller Welt zusammenkommen. Schon die Vorbereitungen liefen ganz im Spirit des Projektes ab. Auf YouTube hatte Ernesto eine Tour durch das noch leere Apartment gegeben, über sein Vorhaben gesprochen und aufgerufen: „Venite a vivere con me?“(Kommt Ihr bei mir vorbei, um mit mir zu wohnen?) In den nächsten Tagen standen über 70 Menschen quasi vor der Haustür, um bei den Vorbereitungen zu helfen. Im Dezember 2013 konnte es dann losgehen. Seitdem haben viele, viele Gäste ihr Zuhause in Rom gefunden. So viele, dass das „Garden“-Haus angemietet wurde, um noch ein wenig mehr Platz zu schaffen.


Es macht wirklich Spaß zu beobachten, mit wie viel Enthusiasmus er und Michela – seine wunderbare Unterstützung  - das Projekt betreiben. Und dazu sind die beiden einfach zwei ganz famose Charaktere, die ich in kürzester Zeit ins Herz geschlossen habe. Mein nach diesem Text wohl nicht mehr allzu überraschendes Fazit lautet deshalb: Wer Rom besucht, der sollte auch bei TOGETHER vorbeischauen. Mir hat es den Start in mein Abenteuer sehr erleichert und wenn ich bald in den Norden des Landes reise, werde ich definitiv noch einmal einen kurzen Stopp in Rom einlegen!


Noch mehr Infos und vor allem Bilder findet Ihr auf http://www.togethernetwork.org/

Ernestos Profil auf Airbnb mit allen Zimmerangeboten erreicht ihr hier und hier!

A presto, Ihr Lieben, in Kürze gibt es hier den Reisebericht aus NAPOLI!

Rieke