Samstag, 16. Mai 2015

Going to Gallipoli

Ciao, Ihr Lieben!

Nach dem ersten entspannten Abhängen in Lecce stand bald der erste Tagesausflug an: Gallipoli!
Das Fischerdorf an der Küste hat eine wunderhübsche Altstadt auf einer vorgelagerten Insel und ist geschäftiger Anziehungspunkt für alle Küstenliebhaber in der Umgebung. Leider macht das Gallipoli aber auch zu einem sehr touristischen Fleckchen. Das hat sich eigentlich schon ziemlich offensichtlich angekündigt, als ich Sonntags morgens in Lecce in den Bus stieg und feststellte, dass 80 Prozent der Mitfahrenden aus den typischen Straßenverkäufern mit ihren Sonnenbrillenaufstellern und geflochtenen Armbänderen bestanden. Und tatsächlich: Selbst jetzt, in der Nebensaison, waren die kleinen Gässchen Gallipolis gut gefüllt mit Touristen aus den verschiedensten Ecken der Welt. Die Restaurants und Geschäfte in der Altstadt sind zu großen Teilen auch eher auf den Tourismus ausgerichtet und so recht wollte der Funke, was das betrifft, nicht überspringen.


Einen Grund gibt es aber, Gallipoli dennoch zu mögen: Es ist einfach wirklich, wirklich, wirklich hübsch. Ich würde vielleicht in der absoluten Hochsaison vermeiden, hierher zu kommen. Aber ein Besuch für einen Tag lohnt sich trotz allem sehr. Immerhin habe ich hier ein paar der schönsten Aufnahmen meiner Reise machen können. Und wenn man die Kameralinse auf die schönen Dinge richtet, die der Ort definitiv zu bieten hat, dann blendet man den Tourikram ganz von allein aus. Schaut mal her:







Random Fact: Kurz vor Ostern rastet Gallipoli ein bisschen aus und feiert die Settimana Santa, in der christliche Bruderschaften mit den für uns eher grenzwertig konnotierten Zipfelmützen durch die Straßen prozedieren, sich geißeln und andere abgefahrene Sachen veranstalten. Die Fotos sind aus einer Ausstellung in der Festung von Gallipoli - dessen Besuch sich vor allem lohnt, um einen Blick in die riesigen Gewölbekammern zu werfen und im Anschluss die Aussicht über die Stadt zu genießen. 



A presto!

Rieke

In Love with Lecce



Ciao Ihr Lieben!

Vielleicht erinnert Ihr Euch an das, was ich vor einigen Tagen über meinen Aufenthalt an der Amalfiküste geschrieben habe. Dass manchmal einfach ein Stückchen zum Glück fehlt. Aber eben auch, dass es diese Orte gibt, die scheinbar schon auf dich gewartet haben und dich mit offenen Armen empfangen. Genauso erging es mir mit Lecce. Ich könnte jetzt versuchen zu beschreiben, warum ich mich auf einen Schlag furchtbar zuhause hier gefühlt habe. Aber ich glaube, ich würde kläglich versagen. Aber ihr kennt das: Eine Stadt betreten und auf einmal durchatmen können. Alles und jeder ist auf einmal dein Freund, Verbündeter und alter Bekannter. Die kleinen Gassen voller barocker Architektur, die Menschen, die dir begegnen, der Pianist mitten auf der verlassenen Piazza, die Pizzabäcker im Piadina-Imbiss an der Ecke und der fantastische Supermarkt gegenüber, der einfach alles hat (Ich finde ernsthaft, ein guter Supermarkt ist einfach mal mega das A und O). Man kennt also zwar noch gar nichts und gar niemanden in der Stadt – aber man ist angekommen, ist irgendwie zuhause.



Ein ganz großes Stück zu diesem Gefühl beigetragen hat meine Gastgeberin Elena. Ich bin ziemlich spontan auf dieses wunderbare Juwel auf Airbnb gestoßen und auf einmal wurde aus zwei Nächten eine ganze Woche. Außerdem habe ich mich schwer verliebt: In ihren winzigen, lustigen Yorkshireterrier! AMOREAMOREAMOREAMORE :D




Aber nun zurück zur Stadt: Lecce hat irgendwie Charme und einen coolen Stil. Total süditalienisch, aber zwischen den Zeilen schwingt da so ein nordeuropäisch-kosmopolitischer Hauch mit. Okay, man sagt auch, Lecce sei das Florenz des Südens. Mein Urteil ist also nicht ganz neu. Dazu gibt es einen ganzen Haufen barocker Architektur, wunderbare kleine Straßen und viele, viele junge Menschen – Lecce ist Unistadt mit ganz vielen Erasmusstudenten. 

Fazit: Für mich ein absolutes Muss, wenn man die Region besucht. (Und überhaupt: ein Muss, die Region zu besuchen! Puglia ist wunderschön!)






Hier für Euch noch ein paar Tipps:

* In der Piadina Salentina gibt es unfassbar gute selbstgemachte Piadianas mit allem drauf, was ihr euch wünschen könnt. Der kleine Imbiss an der Ecke der Piazza Sant'Oronzo ist immer brechend voll und am Abend Treffpunkt für alle, die noch nicht genug vom Tag gehabt haben.

* Shoppen lässt es sich am besten in der Via Salvatore Trinchese - die Straße ist übrigens auch gepflastert mit guten Gelaterien, also einfach eine ausprobieren!

* Wunderbar für ein Mittagessen ist die Enogastronomia Povero. Ein Weinchen, ein Käsetellerchen, ein glückliches Seelchen.




* Die Straße entlang des Doms könnt ihr euch in der Enoteca La Bottega del Corso (Via Giuseppe Libertini 52) ein paar Kleinigkeiten einpacken und dann den Weg zum Stadttor weiterschlendern und dabei an den kleinen Ständen mit handgemachtem Schmuck bummeln. 



Und wenn ihr Glück habt, dann wartet am Ende der hier auf euch:



A presto!

Rieke

Sonntag, 10. Mai 2015

Salve, Sassi!

Ciao ihr Lieben!

Erstens kommt es anders, zweitens als man plant. Ursprünglich hatte die Orga-Rieke sich in den Kopf gesetzt, direkt nach der Amalfiküste auf eine Fähre ab nach Sizilien zu hüpfen. Dieser Plan zerschlug sich spätestens nach meiner wunderbaren Tretboot-Erfahrung auf offenem Meer. Bei der Vorstellung, für zehn Stunden auf einer Fähre eingeschlossen zu sein, drehte sich bei mir der Magen gleich schon wieder um. Gleichzeitig hatte ich durch die Gespräche mit meinen Hosts und deren Freunden beschlossen, ein wenig die Richtung zu ändern, und etwas von Basilikata und Apulien zu sehen. Eine Woche Umweg habe ich also gemacht und dabei habe ich übrigens das erste Mal die italienischen Überlandbusse kennengelernt. Ich sage euch: Ziemlich unbürokratisch, günstig, pünktlich und entspannt. Das läuft bei denen!

Meine erste Station: Matera. Matera ist ein Juwel inmitten vom Nichts, mit einer atemberaubend schönen Altstadtsiedlung: Den Sassi. Die Höhlenwohnungen wurden nach und nach in den Felsen der steilen Steinschlucht gehauen, an der Matera gebaut wurde. Nach und nach heißt: In den letzten 9000 Jahren. Schon in der Steinzeit hingen hier die ersten Menschen rum. Entstanden ist über die Jahrtausende ein Labyrinth aus Höhlen, Gassen, Kellergewölben und ursprünglichen Kirchen, in dem man sich ganz wunderbar den ganzen Tag lang verirren und verlieren kann. Wenn man dann von einem der Aussichtspunkte auf die Sassi blickt und alles zu einem großen Ganzen zusammen setzen kann, hat man das Gefühl, in einer lebensechten Weihnachtskrippe zu stehen. Sieht aus wie Bethlehem, sagen einige. Mel Gibson übrigens auch – der hat seine (grottige) Passion damals hier gedreht.






Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie Geschichte funktioniert. Heute ist die Stadt offiziell UNESCO-Weltkulturerbe und tagtäglich verirren sich hunderte Touristen aus der ganzen Welt in den kleinen Gässchen des Sandsteinlabyrinths. Ständig werden weitere Sassi aufwändig restauriert und zu luxuriösen kleinen Bed & Breakfasts oder süßen Restaurants umgebaut. Wenn man Matera heute sieht, kann man sich überhaupt nicht vorstellen, dass die Stadt bis zum zweiten Weltkrieg als absoluter Schandfleck galt. Denn Hausen in der Höhlenwohnung war damals alles andere als romantisch. Noch bis in die 1950er hieß es: Dreck, Elend, Armut. Zusammenleben in einer Höhle mit Kuh und Esel und 20 Hühnern unterm Bett. Dann wurden die Menschen umgesiedelt und die Sassi standen leer. Erst in den Achtzigern hat sich das Blatt gewendet. Heute unterstützt der Staat jeden, der sich bereit erklärt, ein Sassi zu kaufen und zu restaurieren.



Ich habe in den paar Tagen in Matera allerdings nicht in den Sassi gewohnt. Das wäre – tatsache – zu teuer. Ein paar Meter Bergauf war ich dafür zu Gast bei einem goldigen älteren Ehepaar und hatte dort ein eigenes kleines Apartment. Mein Gastgeber verwaltete allerdings auch ein Sassi-B&B mit angeschlossener „Cantina Storica“. Dort hat er am ersten Abend für mich ausgehungerte Reisende gekocht. Selbstgebackene Brote, verschiedene regionale Käsesorten, Suppe, Pasta... um es kurz zu machen: ich habe gegessen, bis ich - ohne Übertreibung, jetzt – nicht mehr laufen konnte und mein einziger Gedanke war: Oh Gott, wie komme ich den Berg hoch und in mein Bett? Kurz gesagt also: Ganz wunderbar!

Alles nur für mich!

Wunderschön am Reisen ist es ja auch irgendwie, immer wieder auf neue Menschen zu treffen - auch und besonders auf solche, die so ganz anders ticken als man selbst. Mit meinem Gastgeber in Matera hatte ich dabei glaube ich auf ein Extrem getroffen, wie sonst zuvor noch nie. Ein Philosoph und Eigenbrödler, ein wirklich herzensguter Süditaliener, der die Dinge aus Prinzip so langsam angeht, dass gemeine Schnecken ihn zweimal umrunden, und der sich in Diskussionen so sehr verstricken kann, dass selbst andere Italiener verwirrt den Kopf schütteln. Ich habe festgestellt: Man führt mit Menschen, die sich so von einem selbst unterscheiden, die wahrscheinlich allerinteressantesten Gespräche. Weil sie andere Fragen stellen als man selbst und andere Antworten haben – aber sie bringen einen auch an die äußersten Grenzen der eigenen Geduld. Wenn über eine Diskussion aus Slow Food nur noch Slow übrig bleibt, eine Autofahrt statt zwei fünf Stunden dauert, oder man einer militanten Abneigung gegen jede Form von Organisation begegnet – dann lautet die Lektion also wieder erneut: Akzeptanz....diesmal allerdings gepaart mit tief durchatmen und sich meditativ mantramäßig immer wieder sagen, dass man gaaaaanz viiiieeeell Zeit hat. Und deutsch sein? Einfach mal komplett ablegen. Am Ende tut das vielleicht sogar auch mal ganz nicht so schlecht!

Aber zurück zum Thema: Wer auch einmal Zeit haben sollte, die etwas abgelegeneren Orte Italiens zu entdecken (und, wie der Zufall es bringt, vielleicht auch ein paar Italiener von der ganz speziellen Sorte), sollte jedenfalls unbedingt nach Matera fahren! Mystisch, surreal, wunderschön!


Als nächstes geht es dann weiter mit meinem kleinen Abenteuer in Puglia!

A Presto!

Rieke


Sprachfitzel zum Mitlernen: Teil 2


Ciao!

Heute gibt es hier einen Ausdruck, der wohl eher unter kleine kampanische Kulturkunde zu fassen wäre.

FARE LA SCARPETTA


La Scarpetta ist "der kleine Schuh". Heißt aber praktisch in der Region von Neapel: Nach dem Essen die letzten Reste mit einem Stück Brot zu vernichten und den Teller blitzeblank zu leeren. Gehört in dieser Gegend quasi zum guten Ton. So richtig richtig gemacht hat man’s, wenn man den Teller so wie er ist zurück ins Regal stellen könnte.

In dem Sinne: Buon Appetito!

Rieke

Samstag, 9. Mai 2015

Über fehlende Puzzleteile


Ciao, Ihr Lieben!

Heute abend wollte ich mit euch noch ein paar persönliche Gedanken teilen, die mich während meines Aufenthalts an der Amalfiküste beschäftigt haben. Die Amalfiküste ist wirklich ein besonderer Fleck Erde. Wer nicht gerade in der absoluten Hochsaison dort aufschlägt, erlebt ein wunderbar entspanntes Naturwunder, das man nicht mehr so schnell vergisst. Die Natur und ihre Schätze sind hier so reichhaltig und divers, dass man jeden Tag Neues entdecken und lernen kann. Und man findet hier Menschen, die genau das Tag für Tag tun wollen.

Für mich war es dennoch nach einigen Tagen höchste Zeit, wieder weiterzuziehen. Nicht nur, weil noch so viel mehr auf meiner Liste stand, sondern auch, weil es mir meine Hummeln im Hintern und mein Bauchgefühl befahlen. Das habe ich in jeder Faser meines Körpers gespürt. Es ist schon seltsam: Manchmal kann ein Ort noch so bezaubernd, die Menschen noch so herzlich und das Wetter noch so göttlich sein – wenn irgendein winziges, unbenennbares Puzzleteilchen fehlt, kommt man dort an diesem Ort nicht so an, wie man es gern möchte. Man verhält sich anders, als man es von sich selbst kennt. Man verspürt Unruhe. Die Gelassenheit fehlt. Ich wurde in diesen Tagen manchmal sehr still und es fiel mir nicht leicht, so unbedarft in die Welt hineinzuplappern, wie ich es sonst tue. Ich genoss die Zeit sehr – aber irgendetwas fehlte. Aber danach zu suchen, hat irgendwie keinen Sinn ergeben. Denn man sucht nach etwas, das man nicht finden kann - weil man keinen blassen Schimmer hat, wie das, was man da sucht, eigentlich aussieht. Sich in Gedanken zu überschlagen, was der Grund dafür sein könnte, bringt dich deshalb keinen großen Sprung weiter.

Manchmal sind es ja gerade diese kleinen Erfahrungen, die ganze Gedankenketten auslösen. Für mich habe ich vor allem eine Erkenntnis daraus gezogen: Acceptance is key. Auch und vor allem die Akzeptanz für die eigenen Stimmungen, Gefühle und Bedürfnisse. Viel zu oft verdrängen, verbieten oder bewerten wir unseren spontanen Gefühlsregungen und stülpen irgendetwas darüber, was uns als in dem Moment angebrachter erscheint. Manchmal sind die Dinge aber einfach wie sie sind. Und über sich selbst zu richten ist vollkommen Banane. Lernen, auf den Bauch oder die innere Stimme oder wie auch immer ihr es nennen mögt, zu hören – dabei hilft so eine Reise mehr als jeder Glücksratgeber oder Meditationsseminar. Denn im Grunde ist es ja auf einer Reise viel weniger schlimm, wenn ein Teilchen zum Glück fehlt: Wir können es einfach an einem anderen Ort weitersuchen. Und manchmal, da kommt man an einem Ort an, und jemand hat das Puzzle für einen schon fertig gesetzt. Und das Gefühl ist wirklich das Allerdufteste.

A presto!

Rieke

Freitag, 8. Mai 2015

Vom Leben gelernt: Rieke und die Boote

Ciao Ihr Lieben!

Es heißt ja so schön, auf Reisen lernt man Dinge fürs Leben. Und ja - da ist was dran. Leider lernt man nicht immer nur schöne Sachen über sich und die Welt. Lektion Numero Uno für mich (und super Random Fact für euch): Rieke und Boote gehen nicht zusammen. Wer mich mal speien sehen will, der braucht mich nicht abzufüllen. Er kann mich einfach auf ein Boot setzen. Am Allerbesten ein kleines, das auch so richtig schön schaukelt.

"Kommt, lasst uns Tretboot auf dem Meer fahren!", sagten wir uns eines schönen Morgens am Frühstückstisch an der Amalfiküste. Es war nicht so, als hätte ich es nicht schon geahnt, was dabei passieren könnte. Vor zwei Jahren wurde mir ein Segeltrip auf Malta zum Verhängnis und dieses Ereignis hat sicherlich auf ewig einen Ehrenplatz in den Top Ten meiner schlimmsten Erfahrungen ergattert. Es gibt keine Krankheit, die so schnell Selbstmordgedanken auslöst, wie Seekrankheit - kein Sch***, das hab ich mal gegoogelt! Ich weiß heute: Diese Pole Position hat sich die bescheuerte Seekrankheit wirklich verdient. Bevor ich damals auf Malta ernsthaft überlegt hatte, vom Schiff zu springen, hatte ich vorher allerdings noch gedroht, die Schiffscrew K.O. zu schlagen. Aber, wie so oft (und weil Erfahrungen mit der Zeit ja so furchtbar angenehm verblassen) dachte ich mir: "Kann ich nicht? Is mir egal, wird einfach ignoriert. Das haut schon hin!" 

Normalerweise halte ich diese Attitüde für eine durchaus gesunde Einstellung. In diesem Fall war sie es nicht. In diesem einen Fall hätte ich mir sagen sollen: Friederike, manche Dinge sollen einfach nicht sein. Zum Beispiel Tretboot auf dem Meer zu fahren ... um dann nach einer Stunde tapferen Durchhaltens und stoischen Ignorierens der in Wellen anschwellenden Übelkeit vom Tretboot fein ins Meer spucken. 

Und ja, ich habe den Horizont am Festland angepeilt. Was habe ich ihn angestarrt und mir gewünscht ich wäre dort am Festland und schleckte lässig an einem Gelato, während ich die Bekloppten auf ihren Booten beobachtete. Und ja, ich habe tief und regelmäßig durchgeatmet. Wie eine Schwangere im Geburtsvorbereitungskurs. Und ja, ich hatte auch diese lustigen Akupressurarmbänder. Wie eine Tennisspielerin aus den 80ern oder ein verzweifelter Teenie, der den Schweißbandtrend neu aufleben lassen will, sah ich aus. Und die Wirkung? Super Fail. 

Ich fahr jetzt nur noch Jetski und Speedboat. Das hab ich auch schon getestet, das läuft ganz famos! Je mehr Kawummtich unter der Haube, desto weniger Selbstmordgedanken!


Ein, zwei nette Bilder vom Ausflug habe ich aber zwischen dem Fische füttern dennoch für euch schießen können:





A presto!

Rieke

Donnerstag, 7. Mai 2015

Amalfiküste: Über kleine Alltagsabenteuer

Buonasera, Ihr Lieben! 

(WAHNSINN - jetzt bin ich mal ganz fix und schiebe direkt einen nächsten, kleinen Post hinterher) 

Das Schönste an Airbnb - wenn es richtig läuft - ist es meiner Meinung nach, die Nase mit ganz viel Neugier in den Alltag anderer Menschen stecken zu dürfen. Und dabei Dinge zu erleben, die einem als normalem Touristen sonst verschlossen bleiben würden. Ich hatte hier an der Amalfiküste vor allem zwei Abende, die mir genau das geboten haben. Wie immer gibt es natürlich von besonderen Ereignissen wie diesen keine oder nur furchtbar schlechte Fotos...weil man die Kamera liegen lassen hat, weil die Kamera auf einmal doof ist oder einfach weil man so im Moment gefangen ist, dass man gar nicht daran denkt, ein Foto zu machen... Ihr mögt es mir bitte nachsehen!



Don Pasta, eigentlich Daniele, ist ein Freund meiner Gastgeber, bekannter italienischer Koch, Kochbuchautor – und DJ (Für ein schöneres Foto bitte einfach googeln :D). Einer dieser Menschen, die so begeistert fünfzehn verschiedene Dinge in einer Hand jonglieren, dass man gar nicht anders kann, als fasziniert zuzuschauen und sich zu wünschen, man könnte das alles genauso charmant vorbringen. Für sein neues Buch hat er sich eines der ältesten italienischen Kochbücher vorgenommen: Das Kochbuch von Pellegrino Artusi. Aus dieser Bibel der traditionellen italienischen Küche hat er einen Remix gemacht – und ihn vor ein paar Tagen allen Kunst- und Kochschmauswilligen in Salerno vorgestellt. Und weil er nicht einfach Autor ist, gab es nicht etwa eine Lesung, sondern eine Videokunst-Livemusik-Livekoch-Performance. Während auf der großen Leinwand italienische Großmütter beim Kochen in die Kamera grinsten und mit synthesizerverzerrter Stimme Rezepte Preis gaben, schmetterte Don Pasta ein Manifest für den Kampf für die echte, regionale, traditionelle Küche und kochte nebenbei ein fantastisches Pastagericht. Das Bruzzeln, Klackern, Hacken, Zischen und Knistern, das man aus der Küche so kennt, erklang dabei im Rhythmus und im Wettkampf mit der vierköpfigen Jazzliveband. Und dass die Pasta fantastisch war, ist nicht nur so dahingesagt – probieren durfte am Schluss nämlich jeder! Um genau zu sein: Wir wurden gefüttert...




Zum Anniversario della Liberazione sind wir am Abend in die Berge Salernos gefahren, um an einer ganz besonderen Feier teilzunehmen: Ein traditionelles Fest mit Lagerfeuer, neapolitanischer Band und einem alten Mann, der volkstümliche Geschichten erzählte und traditionelle neapolitanische Lieder sang. Wirklich verstanden habe ich von seinen Geschichten ohne Übersetzungsshilfe zwar ungefähr nichts bis gar nichts – der neapolitanische Dialekt ist definitiv eine Nummer zu viel für mich -, dafür haben wir ums Feuer getanzt und mit Kastagnetten geklappert bis zum Rande der Sehnenscheidenentzündung. Der Abend hatte wirklich etwas Surreales an sich. Es waren größtenteils junge Menschen und zugleich wirkte die Stimmung wie aus einer anderen, einer vergangenen Zeit. Irgendwie magisch. Sicher, auch in Deutschland leben junge Leute alte Traditionen. Bei uns steckt hinter Dirndl und Volkstanz allerdings eher nicht diese spirituelle, mystische und mitreißende Stimmung, wie sie hier aufkam. Es ist einfach ein anderer Rhythmus. Und die Balkanparty im Club um die Ecke ist zwar lustig, aber definitiv kein Ersatz! 

Auf der Rückfahrt machten wir noch Halt bei einem befreundeten Pasticceria-Besitzer und schauten ihm über die Schulter, während er mitten in der Nacht die leckersten Süßigkeiten der Amalfiküste für den Sonntagmorgen vorbereitete. Mein Favorit: Babà Napoletano - in Rum getränkte Zuckerbomben-Dolci! Göttlich!

Ich bin fest davon überzeugt: Solche Abende sind es, die das Herz einer Reiseerfahrung ausmachen. Es sind die emotionalen Eckpfeiler der Geschichte, die man mit seiner Reise für sich selbst und für andere schreibt. Bisher hatte ich das Glück, bereits viele, viele solcher Momente in dieser kurzen Zeit machen zu dürfen. Und ich freue mich darauf, sie weiterhin mit euch zu teilen!

Habt einen wundervollen Abend!

A presto!

Rieke